Luxemburger Wort 8.07.2012

CSV sieht Handlungsbedarf in Sachen

Studentenwohnungen und Stadtentwicklung

Der Stand der Dinge in Sachen Studentenwohnungen war Mittelpunkt der Diskussionen in der Gemeineratsitzung der Stadt Esch/Alzette am 6. Juli.

Bürgermeisterin Lydia Mutsch (LSAP) hatte dem Rat eine detaillierte Auflistung dargelegt. Bis zum Jahre 2016 sollen 65 Prozent sämtlicher landesweit bestehenden Studenten-wohnungen auf dem Escher Stadtgebiet sein.

„Wir sind bereits seit dreieinhalb Jahren intensiv dabei, sämtliche Schritte zu unternehmen, um Studentenwohnraum zu schaffen“, so die Bürgermeisterin. Dies geschehe in enger Absprache mit der Universität Luxemburg, mit der eine exzellente Zusammenarbeit bestünde. Ergänzend käme nun die zentrale Schnittstelle „Service développement économique, relations internationales et tourisme“ unter Xavier Poos, zur Gemeindeverwaltung hinzu. Generell sei die Schaffung von Studentenwohnungen eine politische Priorität.

Zu diesem Zeitpunkt verwaltet die Universität Luxemburg 473 Unterkünfte für Studenten, verteilt auf 31 Gebäude. 319 Unterkünfte befinden sich in der Hauptstadt, 127 in Esch/Alzette, 15 in Monnerich, sechs in Noertzingen und sechs in Walferdingen. 27 Prozent der Wohnungen sind in Esch/Alzette.

Auch setzte die Bürgermeisterin den Gemeinderat darüber in Kenntnis, dass die Universität Mieter der Unterkünfte ist und diese an die Studenten weitervermietet. Auch wird darauf geachtet, dass die Unterkünfte entweder in der Nähe der Universität selbst sind, bzw. in der Nähe eines Bahnhofs oder einer Busstation.

Derzeit existieren vier Typen von Unterkünften: das Einzelzimmer mit Waschbecken, das Einzelzimmer mit eigenem Bad, ein Studio mit Kitchenette, WC und separater Dusche sowie Studios zur Doppelnutzung mit Küchenzeile und getrenntem Bad. Die Miete beträgt einschließlich Nebenkosten im Durchschnitt 390 Euro. Die reellen Kosten bewegen sich aber aufgrund der unterschiedlichen Wohnungstypen zwischen 350 und 586 Euro.

Das Zeitfenster 2012/2013 sieht ein Angebot von insgesamt 600 Unterkünften vor. Mit dem Horizont von 2016 im Blick, soll es gelingen, mittels bestehender Projekte das Angebot um weitere 280 Wohnungen zu erweitern. Maßgeblich werden hier vier Wohntürme in unmittelbarer Nähe der „Maison des sciences humaines“ in Belval sein (140 Unterkünfte) sowie die Sanierung des ehemaligen Altersheims der Gemeinde Sassenheim (weitere 70 Unterkünfte). 2016 sollen in Esch/Alzette 690 Studentenwohnungen zur Verfügung stehen, 400 weitere im Rest des Landes.

Planungen für weitere Projekte bestehen in der Rue Jean-Pierre Michels, in der Rue d’Audun, am Boulevard Charles de Gaulle und der Porte de France in Belval.

Auch sollen private Hauseigentümer dazu angeregt werden, Zimmer oder Wohnungen an Studenten zu vermieten, mit der Universität als Vermittlerin zwischen Student und Vermieter. Auch die Tarife würden sich an die der Universität anpassen.

André Zwally (CSV) monierte, dass man mit dem Anspruch an eine moderne, kommunikative und zukunfsorientierten Universitätsstadt zwar erste wichtige Akzente haben setzen können, aber noch in den sprichwörtlichen Kinderschuhen stecke. Bei einem kritischen Rückblick erlaube es keine zufriedenstellende Bilanz. Lediglich wenige Jahre trennen die Stadt noch von der Eröffnung der Universitätstüren, eine Zeit die wohlüberlegt genutzt werden müsse, da man sich bereits nun schon in Verzug befände. Auch regte er an, Anforderungen von Studtenten im Ausland an Universitätsstädte zum direkten Vergleich heranzuziehen. Da spielten oftmals eine zentrale Lage und auch ein spezifisches Studentenangebot in den Städten eine Rolle sowie das Einbeziehen des studentischen Nachtlebens und des Bedarfs an adäquaten Sporteinrichtungen. Auch regte er wiederholt die Öffnung einer Antenne des Bürgeramtes in Belval an.

Der Gemeinderat setzte dies in einen generellen Kontext in Sachen Stadtentwicklung. Marc Baum (Déi Lénk) forderte eine weitere Investition in gemeindeeigenen Wohnraum, um den öffentlichen Wohnungsbau zu fördern. Martin Kox (Déi Gréng) sprach die Möglichkeit für die Studenten an, sich über die Uni zentral die Zimmer reservieren zu können.

Taina Bofferding (LSAP) erläuterte, dass sich eine Stadt das Prädikat Universitätsstadt zum Teil auch verdienen müsse. Auch mahnte sie an, dass man eine Verpflichtung habe, über die Preise im privaten Bereich zu wachen, um eine Situation ähnlich der mit den Cafézimmern zu vermeiden.

Mike Hansen (LSAP) sprach von einem positiven Impakt, den der Zuzug von Studenten und Forschern auf die lokale Wirtschaft haben wird. Daniel Codello (LSAP) hob auch die Planungen auf französischer Seite hervor. Er ermutigte Vereine und Vereinigungen, sich um die künftigen Studenten zu bemühen.

(Text: Nadja Rafalski / Foto: Lucien Wolff)